Bau eines Hügelbeetes

Ein Hügelbeet ist nicht einfach nur ein Haufen aufgeschütteter Erde. Vielmehr ähnelt es einer Kompostmiete, die nach bestimmten Vorgaben angelegt und bepflanzt wird. Vom Aufbau her gleicht das Hügelbeet einem Hochbeet. Der einzige Unterschied besteht darin, dass es an den Flanken nicht begrenzt ist, sondern sanft zur Seite abfällt. Die Hügelform ist das Resultat der Aufschichtung verschiedener organischer Materialien. Das Hügelbeet bietet den Pflanzen optimale Wachstumsbedingungen. Diese werden direkt mit Nährstoffen und Wärme versorgt.

Das Hügelbeet erfreut sich einer grossen Popularität unter Profi- und Hobbygärtnern. Es weist gegenüber anderen Beetformen viele Vorteile auf. Der Bau eines Hügelbeetes ist sehr kostengünstig und einfach aufgebaut. Das Errichten unserer Hügelbeete hat uns keine Ausgaben bescherrt. Der Aufbau war auch ein no brainer. Nur haben wir dafür recht viel Zeit aufwenden müssen. Wir mussten die ganzen Materialien zu Fuss und mit nur zwei Karren in der Nachbarschaft zusammen sammeln und herbeitragen. An dieser Stelle müssen wir erwähnen, dass wir zur Kultivierung unseres Bodens keine Maschinen benützen. Wir verrichten alle Arbeiten aus eigener Körperkraft und mit den uns zur Verfügung stehenden, nicht elektronisch betriebenen Werkzeugen. Das braucht natürlich Zeit, Ausdauer und körperliche Fitness. Diesen Aufwand nehmen wir gerne in Kauf, um mit der Erde, unseren Körpern und dem gesamten Universum direkt verbunden zu sein. Diese Art der Arbeit stärkt unser Vertrauen in unsere Fähigkeit, aus eigener Kraft für uns selbst zu sorgen. Das ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl.

Zeitpunkt und Standort für den Bau eines Hügelbeetes

Der ideale Zeitpunkt, um ein Hügelbeet anzulegen ist im Herbst. Dann ist einerseits genügend Füllmaterial wie Grasschnitt, Herbstlaub sowie abgeschnittene Äste und Zweige vorhanden. Andererseits können sich die aufgeschichteten Lagen bis zur Bepflanzung im kommenden Frühjahr ausreichend setzen.
Da wir erst im November nach Rybotycze gezogen sind, war es uns nicht möglich, die Hügelbeete bereits im Herbst anzulegen. Wenn ihr auch vorhaben sollt, auszuwandern oder euch selbst zu versorgen, dann empfehlen wir euch, dies im Spätsommer oder Herbst zu tun. Dann habt ihr genügend Zeit, um euch auf die Aussaat im kommenden Frühjahr vorzubereiten. Im Nachhinein betrachtet hätten wir mit den Arbeiten bereits im Januar anfangen können, weil die Temperaturen in diesem Winter äusserst mild waren. Nicht die gewphnten minus 20 Grad über mehrere Wochen hinweg…

Der Erfolg der Ernte hängt direkt mit der Platzierung und Ausrichtung des Hügelbeets zusammen. Als Standort muss ein Platz gewählt werden, der nicht komplett beschattet wird. Von der Ausrichtung her, legt man das Hügelbeet am besten in einer Nord-Süd-Achse an. So stellt man sicher, dass jede Beetseite gleichmässig beschienen und erwärmt wird. Ansonsten würden sich heisse Sonnen- und kühle Schattenseiten ergeben.

So wird ein Hügelbeet angelegt

Beim Bau eines Hügelbeetes stehen folgende Arbeitsschritte an. Als Erstes steckt man die Fläche des zukünftigen Hügelbeets ab. Bei der Länge sind keine Grenzen gesetzt. Das Beet sollte jedoch nicht breiter als 1,5 Meter sein. So kann auch die Mitte zwecks Pflanz- und Pflegemassnahmen mühelos erreicht werden. Zu schmal und zu hoch sollte das Beet auch nicht sein. Ansonsten droht die Erde auf den Seiten abzurutschen.

Hat man die Fläche des Beets einmal abgesteckt, so wird eine ungefähr 25-30 Zentimeter tiefe Erdschicht ausgehoben. Die ausgestochene Grasnarbe legt man einfach zur Seite. Sie wird später für eine der fünf Schichten des Hügelbeets verwendet. Es empfiehlt sich, die ausgehobene Fläche mit einem Maschendraht, als Schutz vor Wühlmäusen, auszulegen. Daran haben wir schlichtweg nicht gedacht. Aber sharing is caring. Ich werde dann mal mit der Oberwühlmaus geistig in Verbindung gehen und ihr klar machen, dass wir auch noch was von dem Gemüse haben wollen. Mit den Schnecken in unserem letzten Garten hat diese Art der Kommunikation ganz gut geklappt.

Hier nochmals eine Kurzanleitung:

  1. Fläche abstecken
  2. 25-30 cm tiefes Loch ausheben
  3. Maschendrahtzaun auslegen

So wird ein Hügelbeet aufgeschichtet

Sind alle Vorarbeiten beim Bau eines Hügelbeetes abgeschlossen, kann mit der Aufschichtung begonnen werden. In der Aufschichtung von fünf Lagen organischen Materials steckt die ganze Magie des Hügelbeets.

Im Internet findet ihr Beiträge, in denen die ideale Höhe der jeweiligen Schicht angegeben wird. Wir haben nur so viel Material zur Verfügung, wie wir in der unmittelbaren Umgebung finden können. Darum ist es uns nicht möglich, uns an ideale Angaben zu halten. Zudem möchten wir uns auch keinen Stress machen, wenn wir die angegebene Höhe nicht erreicht haben. Wir sind da total entspannt und nehmen das Ganze recht easy. Wir glauben nicht, dass unser Gemüse nicht wachsen wird, nur weil eine Schicht ein paar Zentimeter zu wenig hoch ist.

Die unterste Schicht besteht aus Schnittgut. Das sind Äste, Zweige, Stängel und sämtliches grobe Gartenmaterial. Da wir keinen Häcksler haben, sondern nur eine Axt, haben wir die Äste und Zweige nur soweit zugeschnitten, dass sie gerade in die ausgehobene Fläche rein passten. Es empfiehlt sich, die dünneren Äste und Zweige zu unterst zu legen und die dickeren oben drauf, um das Ganze niederzudrücken.

Als zweite Lage kommt die ausgehobene Grasnarbe drauf. Mit der Grasfläche nach unten. Das haben wir prompt auch „falsch“ gemacht. Aber wie gesagt, der Erfolg unserer Ernte soll nicht von solchen „Fehlern“ abhängen. Zur ausgehobenen Grasnarbe kann noch Grasschnitt hinzugefügt werden.

Als dritte Schicht kommt feuchtes Laub oder Stroh drauf. Wir haben den Laub von der uralten Eiche unseres Nachbarn geholt. Er hat es beim Flussufer higeworfen, damit es dort verrottet. Das mehrmalige Hin- und Herlaufen fühlte sich wie ein Marathon an. Am Abend konnten wir unsere Bein kaum mehr spüren und sind todmüde ins Bett gefallen.

Die vierte Schicht besteht aus frischen Stallmist oder unreifem Kompost. Da wir noch keinen eigenen Kompostgarten haben, fällt das mit dem Kompost auch weg. Dafür haben wir den Kuhmist von pan Józek, unserem lieben Nachbarn, geholt.

Als fünfte und letzte Schicht wird Gartenerde und reifer Kompost aufgetragen. Statt gekaufter Gartenerde verwendeten wir die Erde, die wir in meditativer Handarbeit von der Grasnarbe abgetrennt haben. Stück für Stück. Von Hügelbeet zu Hügelbeet. Bei gesamthaft 8 Hügelbeeten war das eine ziemliche Herausforderung. Die Menge Grasnarben-Schollen wollte und wollte nicht kleiner werden. Eine wunderbare Übung in Demut, Geduld und innerer Ausgeglichenheit.
Da wir noch keinen eigenen Komposgarten haben, haben wir auch keinen reifen Kompost. Statt dessen habe ich meine magische Mischung aus Holzkohle, Asche, Bananenschalen und Kaffeesatz in die Erde eingearbeitet. Mit dieser Mischung habe ich wahre Wunder in der Wiederbelebung verendeter Zimmerpflanzen vollbracht. Ausserdem hat sie sich bereits in unserem letzten Garten als wahrer Segen entpuppt.

Jede Schicht muss zuerst gut festgeklopft werden, bevor die nächste angebracht wird.

Wenn man das Hügelbeet im Herbst anlegt, dann empfiehlt es sich, es zu oberst mit einer Schicht Strohmulch zu bedecken. So stellt man sicher, dass das Substrat durch Wind und Regen nicht abgetragen wird.

Hier nochmals die fünf Schichten kurz zusammengefasst:

  1. Äste und Zweige
  2. Grasnarbe
  3. Laub oder Stroh
  4. Stallmist oder junger Kompost
  5. Gartenerde und reifer Kompost

Vorteile des Hügelbeets

Ein Hügelbeet bringt viele Vorteile. Es ist super einfach im Aufbau und kostet nichts, weil kein zusätzliches Baumaterial (ausser Machendrahtzaun) gebraucht wird.
Durch die Hügelform vergrössert sich die Anbaufläche und die Sonneneinstrahlung erfolgt von allen Seiten gleichmässig.
Das Hügelbeet stellt eine natürliche Recycling Methode dar. Alle Gartenabfälle können wiederverwendet werden. Durch deren Verrottungsprozess liefern sie den Pflanzen unmittelbar wertvolle und natürliche Nährstoffe und das über mehrere Jahre hinweg. Somit entfällt die Notwendigkeit einer zusätzlichen Düngung.
Durch den Abbauprozesse des organischen Materials entsteht Innenwärme. Diese heizt die Pflanzen von unten an. So bietet sie ihnen optimale Wachstumsbedingungen. Durch die „hauseigene“ Versorgung mit Nährstoffen und Wärme kann die gesamte Anbauphase im Jahr um bis zu 6 Wochen verlängert werden. So kann bereits im Erstfrühling, der traditionsmässig am 22. Februar beginnt, mit der Aussaat von frostbeständigem Gemüse begonnen werden. Zudm sind die Frühjahrpflanzungen 2-3 Wochen früher erntereif.
Nicht zuletzt ergibt sich durch das humusreiche Substrat eine natürliche Drainage. Eine solche ist bei nassen und schwerden Böden unerlässlich. So gewinnt man lockere und druchlässige Erde. Zudem trocknen die Pflanzen auf dem humusreichen Nährboden schneller ab. Dadurch sind sie weniger anfällig für Pilzerkrankungen.

Die Winter hier können sehr harsch und lang ausfallen. Temperaturen bis zu minus 20 Grad Celsius über mehrere Wochen hinweg, sind keine Seltenheit. Zudem lässt der Frühling oft recht lange auf sich warten, so dass mit der Aussaat oft erst im späten Frühjahr (Ende April) begonnen wird. Zudem ist unser Boden durch den angrenzenden Fluss sehr feucht und schwer. Unter diesen Bedingungen ist das Hügelbeet eine ideale Anbaumethode, um trotz der weniger günstigen Wetter- und Bodenbedingungen reiche Ernten einzubringen.

Nachteile des Hügelbeets

Trotz der vielen Vorteile, weist das Hügelbeet ein paar wenige Nachteile auf. Dazu gehören die Wühlmäuse, denen man mit dem Maschendraht entgegenwirken kann. Die spirituellen unter euch können hierfür auch meine Methode der geistigen Kommunikation anwenden 😉
Die Wasserversorgung ist auch nicht ganz ohne. Die oberste Schicht trocknet wegen der lockeren Struktur schnell aus. Um das zu verhindern, formt man am Scheitelpunkt des Beetes eine Rinne. So ist das Regen- und Giesswasser direkt pflanzenverfügbar. Zudem wird um das gesamte Beet eine handbreit tiefe Mulde gegraben. Dies verhindert, dass das an den Seiten abfliessende Wasser ungenutzt im Boden versickert. Eine weitere natürliche Methode zur Wasserretention ist das Mulchen. Wer es lieber technisch mag, der kann über das gesamte Hügelbeet Perlschläuche anbringen, um die Feuchtigkeit gezielt an die Wurzeln zu verteilen.
Die Lebensdauer eines Hügelbeets ist auch nicht ewig. Nach 6 Jahren muss an einer anderen Stelle ein neues Hügegelbeet errichtet werden.
Als letzter Nachteil kann die Notwendigkeit des regelmässigen Aufschütten an den Seiten aufgeführt werden. Aber eine so aufwändige Arbeit ist das auch nicht.

Keep in touch

Wenn du erfahren möchtest, welches Gemüse sich am besten für ein Hügelbeet eignet, dann abonniere unseren Newsletter hier auf der Website und/oder unserer Kanal auf YouTube und/oder unser Profil auf Facebook.

Mit unseren Artikeln zur Permakultur und Selbstversorgung möchte wir allen interessierten Menschen einen leichten Einstieg in diese wunderbare Art des Seins ermöglichen. Unsere Erfolge und Misserfolge teilen wir sehr gerne mit der Welt.

See ya!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code